Hey Ihr Lieben,
am letzten Wochenende war ich am Fuße des Mt Kilimanjaro zelten. Zu viert sind wir am Samstagmorgen mit einem Reisebus von Arusha Richtung Moshi aufgebrochen. Es war leicht bewölkt, laut Wetterdienst sollte es dort regnen, was aber glücklicherweise nur nachts und nur schwach der Fall war. Kurz vor Moshi sind wir ausgestiegen in einer kleinen Stadt. Die Busbahnhöfe ähneln sich hier. Sobald ein Europäer aus dem Bus steigt, wimmelt es um einen herum von Händlern, die ihre Waren feiltun. Neben Snacks und Wasserflaschen kann man so ziemlich alles käuflich erwerben
, darunter Sonnenbrillen und solch nützliche Dinge wie Duschköpfe. Dank unseres Begleiters aber wurde den Meisten schnell klar, dass wir gerade kein Interesse hatten, in der Wildnis eine Duschkabine zu eröffnen. Stattdessen machten wir uns in einem Tuctuc zu viert ins Hinterland auf, um zu einem kleinen kleinen See vulkanischen Ursprungs zu fahren. Auf dem Weg über Straßen, die von den Einheimischen schlicht African Maasai Roads genannt werden, holperte und polterte es uns ordentlich durch.
Dann kamen wir am Vulkansee an. Es standen nur wenige Fahrzeuge auf einem staubigen Platz, unweit eines kleinen Standes, an dem es Süßes und Softdrinks zu kaufen gab. Unweit davon waren nur wenige Leute im Wasser, das diamantklar unter Bäumen, deren weiße Wurzeln wie
gekrümmte Finger hinabreichten, auf uns wartete. Wir zogen unsere Schwimmsachen an und stiegen dann ins warme und fließende Gewässer (Cave: Schwimmen in warmen Gewäsern birgt die Gefahr, an Schistosomiasis zu erkranken; ich hoffe aber, dass fließende Gewässer das Risiko etwas herabsetzen). Es war wunderbar. Sehr erfrischend und entspannend. Das Ganze in
einer einmaligen Natur (s. Fotos). 
Nach etwa zweieinhalb Stunden fuhren wir dann mit dem Tuctuc zurück. Peng! Und einer der Reifen war platt – kein Wunder. Ich frug mich nicht nur einmal, wie es die dünnen Reifen, welche unser aller Gewicht zu tragen hatten, es aushielten, über African Maasai Roads in einem nicht gerade gemächlichen Tempo dahinzufahren und das alles unbeschade
t zu überstehen. Wie auch immer, unser Fahrer hatte zum Glück ein Reserverad dabei, das er innerhalb von zwanzig Minuten gegen das beschädigte auswechselte.
In der Zwischenzeit nutzen wir die Gelegenheit, uns etwas in der Landschaft umzusehen. In einiger Entfernung zu den feuchten Gebirgslandschaften kann man in der Savanne beinahe überall Termitenhügel entdecken.
Termiten haben eine wichtige Funktion im Ökosystem Savanne, denn sie bauen abgestorbene Pflanzen ab und sorgen dafür, dass der Boden gut durchlüftet wird. Die Hügel selbst werden durch den Speichel der meist farblosen Tiere zusammengehalten. Wir sind auch auf Hirtenvölker gestoßen, von denen das Bekannteste wohl das der Maasai ist. Da die Grenze zwischen Kenia und Tansania nur politischer, nicht aber geographischer Natur ist, halten sich diese Völker nicht unbedingt an Staatsgrenzen. Für sie ist wichtig, dass ihre Tiere – zumeist Kühe – genügend Nahrung in der Savannenlandschaft finden. Deshalb kann man sie als normadische bzw. seminormadische Völker bezeichnen.
Und schon die Kinder werden mit dem Hirten der Tiere beauftragt, weshalb nicht wenige nur eine sehr geringe, wenn überhaupt eine, Schulbildung erfahren haben. Aber es werden eben andere Prioritäten gesetzt: In der Sprache der Maasai, das Maa, heißt es etwa, dass Enkai (Gott) Himmel und Erde getrennt habe und den Maasai als Erbschaft die Kuh hinterlassen habe.
Das erklärt, warum diese Widerkäuer so bedeutsam für sie sind, bedeutsamer etwa als eine fundierte Schulbildung für jedes ihrer Kinder.
Als wir dann am Abend in einem kleinen Dorf der Chagga ankamen, war es bereits dunkel, so dass wir im Taschenlampenlicht unsere Zelte aufschlugen. Anschließend machten wir ein Lagerfeuer und setzen uns mit dreien der Dorfbewohner zusammen. Wir erzählten uns vom Tage, besprachen, was wir am nächsten Tag machen wollten, und kochten die mitgebrachten Spaghetti in einer Soße aus frischen Tomaten und Kräutern. Danach tranken wir ein paar Lager und ließen den Abend gemütlich ausklingen.
Die Nacht war dann ziemlich kalt. Da wir für einen Schlafsack und eine Isomatte insgesamt 50€ hätten zahlen müssen, verzichteten wir darauf und betteten uns auf einer Fliesjacke, nahmen eine Decke mit und nutzten den Rucksack als provisorisches Kopfkissen. Der Boden war uneben, wohl der Grund dafür, dass ich bis heute einen verspannten Nacken habe…
Am nächsten Morgen gab es ein kleines Frühstück. Wir brühten frisch gerösteten und gemahlenen Kaffee über dem Lagerfeuer auf, der, sobald man genügend Pulver mit dem warmen Wasser versetzt, auch recht gut und kräftig schmeckt. Dazu gab es ein paar frische Eier und Weisbrot mit Nutella. So gestärkt, machten wir uns zum Wasserfall auf.
Der Abstieg in die von Regenwald bewachsene Schlucht war abenteuerlich. Da es in der Nacht geregnet hatte, waren die lehmigen Stufen und Felsen, welche als Trittstellen dienten, ziemlich glitschig. Zum Glück gab es einige provisorisch angebrachte Geländer aus dicken Ästen, die den Abstieg etwas erleichterten. Am Grunde der Schlucht angekommen, lag ein größerer B
ach vor uns, worin sich Steine befanden, die wir wiederum als Trittflächen nutzten. Die Vegetation war sonderlich an den Hängen der Schlucht üppig, nahe des Flussbettes eher spärlich, aber im Einzelnen nicht nur für Biologen oder Mediziner interessant. Als wir dann ein paar Felsen empor geklettert waren, stürzte vor uns das Wasser über die Kante rauschend herab. Immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis, wie ich finde. 
Insgesamt war das ein schönes Erlebnis. Wir haben uns gut verstanden, etwas Abenteuerluft geschnuppert, wobei der klare Kritikpunkt der ist, dass man eben nur mit entsprechenden finanziellen Mitteln eine rundum befriedigende Reise tätigen kann. Camping in Deutschland mag vergleichsweise günstig sein, in Tansania ist alles, was entfernt mit Safari zu tun hat, das Teuerste, was man unternehmen kann – aber auch das Einzige.